Gewaltambulanz: Es passiert nicht nur zu den Öffnungszeiten

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Eine Gewaltambulanz kann für Betroffene von Gewalt ein entscheidender Schutzraum sein: für medizinische Versorgung, gerichtsmedizinische Dokumentation und die Sicherung von Beweisen. Genau deshalb haben viele Menschen in Oberösterreich für eine solche Einrichtung gekämpft und eine Petition unterstützt, die von Juristin Didem Wenger initiiert wurde.

Seit Jänner 2026 gibt es nun erstmals eine Gewaltambulanz am Kepler Universitätsklinikum. Dass damit endlich ein wichtiger Schritt gesetzt wurde, ist grundsätzlich positiv.

Trotzdem zeigt die aktuelle Anfragebeantwortung des Landes Oberösterreich deutlich: Die bestehende Struktur erfüllt derzeit noch viele Kriterien einer umfassenden Gewaltambulanz nicht, die aber mit bestehenden Ressourcen zu erfüllen wären.

Die Ambulanz ist aktuell nur an vier Werktagen tagsüber geöffnet. Eine voll ausgebaute 24/7-Versorgung gibt es nicht. Auch die gerichtsmedizinischen Ressourcen sind bislang sehr begrenzt. Eine telemedizinische Versorgung und Dokumentation wird nicht angeboten. Gleichzeitig zeigt die geringe Zahl betreuter Personen in den ersten Monaten, dass das Angebot noch deutlich sichtbarer und niederschwelliger werden muss.

Gewalt passiert nicht nach Bürozeiten. Betroffene brauchen jederzeit rasche, sichere und gerichtsmedizinisch abgesicherte Unterstützung.

„Wir werden weiterhin kämpfen, bis wir eine Gewaltambulanz gemäß dem vorliegenden Konzept haben und bis jede Person in Oberösterreich über die Existenz dieser Gewaltambulanz informiert ist“, sagt Didem Wenger.

Gerade deshalb darf die Gewaltambulanz kein halbfertiges Projekt bleiben. Oberösterreich braucht einen konsequenten Ausbau gemeinsam mit Frauenberatungsstellen, Frauenhäusern, Gewaltschutzzentrum, Opferschutzeinrichtungen, Vereinen wie B37 und medizinischen Fachbereichen.

Denn Gewaltopfer brauchen keine symbolischen Lösungen. Sie brauchen verlässliche Hilfe.

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