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Selbstmontage-Theorie
von Oksana
Man sagt, dass man sich selbst Stück für Stück zusammenbaut, wie ein Puzzle, wenn man in andere Länder oder an unbekannte Orte reist. Man sagt, dass man aus einem bestimmten Grund in diese oder andere, ferne Länder gelangt. Das heißt, nicht nur wegen Eindrücken, Erlebnissen oder Erholung, sondern wegen eines Stücks von sich selbst.
Leider war meine Ankunft in Österreich keine geplante Reise. Sie wurde durch die schrecklichsten Umstände verursacht, die in einem Heimatland passieren können.
Auf der Flucht vor dem Krieg, der durch den russischen Angriff auf die Ukraine ausgelöst wurde, beim Überqueren der Grenze der Ukraine mit meinen engsten Vertrauten, begab ich mich ins Unbekannte, ohne zu wissen und zu ahnen, wo wir landen würden.
Österreich, als Endpunkt der Fluchtroute meiner Familie, wurde zum Ort, an dem sich eines der Rätsel meiner persönlichen Geschichte löste.
Das Erste, worüber ich schreiben möchte, ist, dass ich hier in Österreich unglaubliche Menschen getroffen habe, deren offene, aufrichtige Herzen und Liebe mir geholfen haben, hier Fuß zu fassen und erste Wurzeln zu schlagen. Und hier möchte ich unbedingt meine österreichische Familie erwähnen: ein wundervolles Ehepaar, die tiefgründige, weise und einfühlsame Andrea und ihr Mann Manfred, ein bekannter Arzt, die mir und meinen Lieben einen Erdungspunkt, einen Lebensraum, ein „Nest“ gaben und die Türen ihres Hauses für uns öffneten. Ich hätte in ganz Österreich keine anderen Menschen finden können, die mir spirituell so nahe stehen. Dank eines Freundes dieser Familie wurde eines meiner Rätsel gelöst. Es ist Zeit zu erzählen, wie genau das passiert ist.
Ich möchte anmerken, dass der allmächtige Schöpfer einen beispiellosen Sinn für Humor hat. Obwohl du als Mensch diese geschickte Verflechtung der Ereignisse erst im Laufe der Zeit, also später, wenn die Lebenssituation vollständig offenbart wird, einschätzen kannst.
Ja, es war für mich nicht lustig, als ich mein Kind im Alter von zwei bis drei Jahren weder mittags noch abends zum Schlafen bringen konnte. Egal, was ich versuchte, ich konnte meinen Sohn nicht beruhigen. In meiner Verzweiflung suchte ich nach kindgerechten Videos und ganz zufällig stieß ich dabei auf ein Jodel-Video. Mein Sohn zeigte plötzlich Interesse und beruhigte sich. Denken Sie daran, wie weit ein kleines Kind in der Ukraine und ein Volkslied der Alpen voneinander entfernt sind – ohne jegliche Verbindung. Aber das Kind hörte diesem Jodeln voller Bewunderung zu und schlief sanft ein, dank der so ganz besonderen Art des Gesangs, und ganz und gar nicht wegen einheimischer Volkslieder.
Sie müssen verstehen, dass ich alle Melodien der Alpensänger, die mein Sohn hörte, auswendig konnte. Sie bleiben wahrscheinlich für immer in meinem Kopf hängen, weil sie mir damals so oft anhören musste. Auch meine Mutter wurde über diese wirksame „Hypnosemethode“ informiert, da sie auf meinen Sohn – ihren Enkel – aufpasste, als ich auf Geschäftsreise in einer anderen Stadt war.
Doch die Zeit verging, das Kind wurde älter und seine musikalischen Vorlieben veränderten sich. Schlaflose Nächte der frühen Mutterschaft und komplizierte Einschlafrituale gerieten in Vergessenheit
Und nun, nach vielen Jahren, bin ich mit meinen Verwandten in Österreich. Ein Freund unserer wunderbaren österreichischen Familie lädt mich und meine Mutter spontan zum Abschlusskonzert der Musikhochschule ein, an der sein Enkel studiert. Im Moment der Einladung hat das Konzert bereits begonnen, wir wissen, dass wir erst zum Ende kommen werden, nehmen die Einladung aber an und gehen in die Stadt. Wir „fliegen“ in die Halle, nehmen unsere Plätze ein – etwa fünf bis zehn Minuten vor Ende des Konzerts.
Von der Bühne erklingt eine Melodie. Eine sehr bekannte Melodie. Wahrscheinlich eine Volksmelodie. Aber woher … woher kenne ich sie? Ich erinnere mich an sie und lächle, nenne sie beim Namen. Meine Mutter lächelt mich an.
Dies ist eines dieser einzigartigen Jodel-Lieder, das für meinen inzwischen elfjährigen Sohn einmal vor langer Zeit in einem vergangenen Leben zum Schlaflied wurde …
Ein weiterer Teil meines Lebenspuzzles ist gefunden.
